Wann ist Citrix Director nicht mehr ausreichend?

00 Ctx DirIn diesem Blog-Beitrag versuche ich die Frage zu beatworten, die mir vor kurzem gestellt wurde: Wo sind die Grenzen des Citrix Directors, und wann macht es Sinn über eine Third-Party Monitoring Lösung nachzudenken? 

Leider lässt sich solche Frage nicht spontan beantworten, da die Antwort von einigen Faktoren abhängig ist. Wobei der Faktor Nr. 1 besonders schwer ins Gewicht fällt.

Faktor Nr. 1: Je nachdem, welcher Release (LTSR oder CR) in Ihrer Infrastruktur eingesetzt ist, haben Sie eine erhebliche Abweichung von mitgelieferten Funktionen. Die stabilste und die zuverlässigste LTSR-Version bleibt die ganze Lebenszeit unverändert, hingegen kann die CR-Version mit jedem neuen Release durch weitere Funktionen erweitert werden. Möglicherweise wird der Director irgendwann so gut sein (wie EdgeSight mal war), dass keine externe Lösung mehr benötigt wird.

Faktor Nr. 2: Je nach Lizenzmodell hat das System unterschiedliche Aufbewahrungsfristen für die Rohdaten, die dem Direktor zwecks Reporting zur Verfügung stehen (360, 30 und 7 Tagen). Wenn Sie das Maximum bekommen wollen, müssen Sie sich für die Premium Edition entscheiden.

Faktor Nr. 3: Möglicherweise brauchen Sie keine weitere Monitoring-Lösung, da Ihre Umgebung performant und stabil funktioniert. Alle Benutzer sind zufrieden.

Faktor Nr. 4: Die vom Director gelieferten Informationen sind für Ihre Bedürfnisse nicht ausreichend. Oft liegt es daran, dass auf dem Dashboard präsentierte Werte entweder zu oberflächlich, oder gewissenmaßen „verschwommen“ sind, um den möglichen Flaschenhals schnell lokalisieren zu können.

Faktor Nr. 5: Die Integration mit NetScaler Gateway mittels HDX Insight, kann den Director mit weiteren detaillierten Benutzer-Daten anreichern.

Wenn Sie diesen Artikel lesen, dann sind Sie bereits auf Suche nach Alternativen zum Director. Hoffentlich wird dieser Blog-beitrag hilfreich für Sie.

 

Mangelhafter Funktionsumfang des Directors

Die folgenden Punkte verdeutlichen die mangelhafte Funktionalität des Directors:

 

1. User Logon Experience

In diesem Fall sprechen wir nur über die Anmeldezeiten. Da diese in einigen Projekten einen hohen Stellenwert haben und dadurch entscheidende Faktoren für Erfolg oder Misserfolg des Projektes sind. In der Version 7.15 sind die angezeigten Werte viel zu oberflächlich und ermöglichen keinen tieferen Einblick in den Anmeldeprozess, bzw. schrittweise Aufschlüsselung aller Tasks. Die Version 7 1808 zeigt eine detailliertere Informationen der Anmeldedauerdaten (Interaktiv Session).



Mit dem folgenden Beispiel versuche ich die Situation zu veranschaulichen:

Die Login-bezogenen Daten werden unter der Registerkarte Anmeldungsleistung angezeigt. Auf dieser Registerkarte dargestellte Informationen sind in zwei Bereiche aufgeteilt: Anmeldungsleistung und Anmeldedauer per Benutzersitzung

01 Ctx Dir

 

Ein Maus – RollOver auf einem blauen Balken zeigt zwar eine detailliertere Auflistung aber ohne jegliche Benutzerbindung:

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  • Durchschnittliche Anmeldedauer (Logon time)
  • Vermittlung (Brokering)
  • VM start
  • HDX Connection
  • Authentication
  • Gruppenrichtlinienobjecte (GPOs)
  • Anmeldeskripts (Logon scripts)
  • Profilladezeit (Profile load)
  • Interaktive Sitzung (Interactive session)

 

Registerkarte Anmeldungsleistung und Anmeldedauer per Benutzersitzung

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Vergleichsweise detaillierte Informationen kann man auch in den Eigenschaften der einzelnen Benutzer finden:

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Ab der Version 1808 gibt es auch die Möglichkeit die zeitliche Auflistung der drei Phasen der interaktiven Sitzung (Interactive Session) anzuzeigen. Die Option „Weitere Information“ ist leider nur ein Link auf die Citrix-Seite und keine Aufschlüsselung der Daten.

 

Welche Funktionen und Information vermisse ich im Bereich User Logon Expience beim Director:

Wie man sieht, werden die wichtigsten Basis-Daten gesammelt und angezeigt. Die aufgelisteten Benutzer-Informationen beinhalten leider keine Interaktion wie z.B. Drilldown zu den Benutzereigenschaften. 

Es ist zwar möglich in der Auflistung „Anmeldedauer per Benutzersitzung“ nach Gesamtzeit zu sortieren, aber man kann nicht auf die Benutzer-Eigenschaften zugreifen.

- erfolgt der Zugriff des Benutzers aus einem internen oder externen LAN?

  • Sind die Performance-Probleme im Netz bekannt?
  • RTT anzeigen lassen (optimal wäre sowohl aktuelle als auch die historische Daten)

- gibt es andere Benutzer aus dem gleichen Netz (Lokation), die sich über dieselben Probleme beklagen?

  • Wenn nein, die Unterschiede suchen:
    • AD-Gruppenmitgliedschaft
    • Receiver Version

- ist der VDA auf dem sich der betroffen Benutzer angemeldet hat, ausgelastet?

  • auch darunterliegende Infrastruktur soll überprüfbar sein (Host, Storage)

- ist die Auslastung von DDCs, StoreFront in Ordnung?

- lassen sich die Anmeldezeiten aufschlüsseln?

  • Session Brokering (Vermittlung)
  • HDX-Verbindung
  • Gruppenrichtlinienobjekte
  • Drive Mapping
  • Print Mapping
  • Login Scripts
  • Profilladezeit
  • Interaktive Sitzung

- Auch im Bereich Active Directory können einige potenzielle Fehlerquellen versteckt sein (z.B. AD Sites, DNS).

- wäre es möglich, die historischen Daten der betroffenen Benutzern anzusehen?

- es wäre vorteilhaft direkt erkennen können, um welche Benutzer-Session es sich handelt und in welcher Phase diese langsamer als die restlichen war.

- Zwecks Troubleshooting ist es oft wünschenswert alle Prozesse (z.B. als eine Zeitachse) zu loggen, die während des Logins gestartet wurden.

 

2. System Performance oder „meine Citrix Session ist langsam“

Die Citrix Infrastruktur ist mehrschichtig. Eine optimale Monitoring-Lösung soll darunterliegende Komponenten (Schichten, Ebenen) wie z.B. VMs, Hypervisor, Storage und Netzwerk gleichermaßen überwachen können und die Citrix-Administratoren über Performance-Engpässe informieren, oder wenigstens diese erkennen können. In einem Troubleshooting-Fall sollte es so möglich sein, den Fehler schnell zu lokalisieren.

Eine für mich gelungene Lösung ist diejenige, die die aggregierten Daten von verschiedenen Infrastruktur-Komponenten auf einem Dashboard vereint:

06 Citrix Monitoring

 

In einem Troubleshooting-Fall sollte es möglich sein, den Fehler schnell zu lokalisieren.

Wenn wir versuchen, der Aussage „meine Citrix Session ist langsam“ auf den Grund zu gehen, werden wir sehr schnell an die Grenze des Directors stoßen.

Mit dem folgenden Beispiel versuche ich die Situation zu erklären:

Die Registerkarte Ressourcenauslastung > Serverbetriebssystemmaschinen zeigt die durchschnittlichen CPU-Werte in Form eines Diagramms:

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Wie man erkennen kann, lässt sich der Zeitraum nur auf zwei Stunden eingrenzen. Außerdem sind die beiden Kurven in einer Farbe gestaltet, was mehr als irreführend ist (möglicherweise ein Bug).

Das untere Diagramm zeigt die CPU-Auslastung einer ausgewählten VM:

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Es besteht auch die Möglichkeit, detailliertere Informationen anzeigen zu lassen, wenn die Maus sich auf einem fünfminutigen Abschnitt befindet.

09 Ctx Dir

Eine Möglichkeit herunterzubrechen gibt es nicht. Somit ist diese Funktionalität nur bedingt verwendbar.

Wie Sie auf dem Bild erkennen können, war die CPU Auslastung nicht gerade gering, aber die folgenden Fragen bleiben unbeantwortet:

  1. 62 % Auslastung kann auch bedeuten, dass die CPUs längere Zeit auf 100 % waren.
  2. Welche Prozesse waren die Verursacher dieser Auslastung?
  3. Welcher Benutzer hat diese ausgeführt?
  4. Hatten diese Prozesse auch in der Vergangenheit die höhere CPU-Last verursacht?
  5. Kann man erkennen, dass der betroffene Benutzer auch zuvor solches Problem hatte?

 

Wenn ein Benutzer sich über eine langsame Citrix Session beklagt, sollte eine Monitoring-Lösung Ihnen helfen folgenden Fragen schnell beantworten zu können:

- sind nur bestimmte Applikationen betroffen?
- handelt es sich um eine Published Applikation / Desktop?

  • sind die Sitzungen anderer Benutzer, die auf demselben VDA angemeldet sind ebenfalls langsam?
  • VDA auf Performance-Probleme untersuchen
    • CPU Auslastung (%), CPU Warteschlangenlänge, Memory, Disk IOPS, Latency
    • ist darunterliegende Host-Infrastruktur in Ordnung (z.B. CPU Ready Time, Overalocated / Underallocated Memory)?
    • ist darunterliegende Storage-Infrastruktur in Ordnung (z.B. Latency, IOPS)?

- Netzwerk Latenz zwischen den Client und den VDA überprüfen

  • LAN-, WAN-Latency
  • auch die lokale Netzwerkkarte könnte die Probleme verursachen

- hat sich der Benutzer auf dem gleichen Arbeitsplatz angemeldet?

  • Receiver Version?
  • andere Monitore (z.B. 4K)

- benötigt die „Langsame Sezession“ möglicherweise ein Backend-System und genau dieses hat ein Performance-Problem, also ein nicht Citrix relevantes Problem.
- wurden die Systeme seit der letzten Anmeldung verändert (z.B. Windows Updates, Citrix Update)?

10 Ctx Dir

Wie man sieht, tappen wir gewissermaßen im Dunkeln, wenn es um die darunterliegende Infrastruktur geht.

Letztendlich können die Leistungsindikatoren einer VM (Director) noch im grünen Bereich liegen, wobei der dazugehörige Host bereits voll ausgelastet ist.

 

 

3. Predictive Capacity Management

Aus Sicht der Geschäftsführung sollen für die Citrix Infrastruktur verantwortliche Mitarbeiter in der Lage sein, folgende Fragen beantworten zu können:

  • sind die VDAs optimal dimensioniert?
  • ist der Hypervisor optimal dimensioniert?
  • sollte die aktuelle Konfiguration angepasst werden (Ressourcen hinzufügen / reduzieren)?
  • sind die bestehenden Ressourcen ausreichend, um die weiteren x-Benutzer ohne Performanceeinbußen zu bedienen?
  • sind die bestehenden Ressourcen möglicherweise überdimensioniert, sodass diese der Umwelt zuliebe (oder aus Kostengründen) ausgeschalt werden können?
  • wie viele Benutzer können zusätzlich pro Host angemeldet werden?
  • wie waren die Performancewerte in einem bestimmten Zeitraum?

Der Citrix Direktor ist nicht in der Lage den Kapazitätsverbrauch Computing, Netzwerk und Speicher vorhersagen zu können.

Von einer optimalen Monitoring-Lösung könnte man erwarten, dass anhand der historischen und aktuellen Werte (wie z.B. CPU-Auslastung, RAM-Verfügbarkeit, Speicherkapazität und Netzwerkauslastung) ein bestimmtes Anpassungsszenario modelliert werden kann. Eine falsche Berechnung der Ressourcen kann mehr als nur zur Kostensteigerung führen. Mit der Kurz- und Langzeitprognosen können unangenehme Überraschungen wie die Kapazitätsgrenze vermieden werden.

 

Alternative zu Director  -  Single-Pane-of-Glass-Lösung wird gesucht.

Als Fazit wäre es angebracht über mögliche Alternativen zu sprechen. Jedoch fällt es mir schwer diese unparteiisch zu bewerten.

Es existieren eine Reihe von Drittanbietern deren Schwerpunkt auf der Entwicklung von Lösungen zur Überwachung von EUC Umgebungen (VMware, Citrix, RDS) liegt.

Man könnte mittlerweile behaupten, dass ControlUp und eG Innovation sich als führende Anbieter auf dem Markt etabliert haben. Obwohl die globale Markpositionierung nicht unbedingt auf den deutschen Markt Einfluss hat.

 

Liste von Anbietern:

 

1. ControlUp

 

2. eG Innovations

 

3. Splunk  / UberAgent / und andere

Splunk alleine ist keine Monitoring-Lösung,  sondern lediglich eine Plattform, die als eine Basis für verschiedene Produkte dient.

Im Vergleich zu den anderen Produkten handelt es sich bei uberAgent nicht um ein eigenständiges Produkt, sondern um eine App, die auf dem Splunk Server installiert wird.  Es existiert auch eine Reihe von anderen Apps (Add-Ons), die auf der Splunk-Seite zu finden sind:  https://splunkbase.splunk.com.  Unteranderem bietet Splunk die Möglichkeit für die eigene Apps-Entwicklung.

 

4. Lakeside

 

5. Goliath Technologies

 

6. Liquidware

 

7. Citrix Management Packs für SCOM

Die von Citrix gekauften Comtrade Management Packs für System Center Operations Manager (SCOM) können zwar mehr Informationen liefern, werden aber meiner Einschätzung nach selten eingesetzt. Die Verwendung von Management Packs setzt eine Premium Edition voraus.

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