Cloud IaaS vs. On-Premise - Vorteile und Nachteile

Ich nehme an, dass man relativ viele Informationen aus unterschiedlichen Quellen bezüglich der Vor- und Nachteile der Cloud-Technologie finden kann, wobei die Vorteile deutlich über die Nachteile dominieren.

Der unten folgende Text beansprucht keine ultimative Wahrheit und ist nicht vollendet. Dennoch hoffe ich sehr, dass das vorliegende Material für viele Leser nützlich sein wird, sowohl für den Cloud-Architekten als auch für den Endkunden.

Für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zum Beispiel, können Personal-  bzw. Knowhow-Mängel oder mangelhafte Security ein Grund für den Umstieg sein.  Für Großkonzerne hingegen wäre eine Kostenumlagerung (von CAPEX zu OPEX) besonders attraktiv. In dem Text, sind alle Pro und Kontra-Argumente ohne Separierung zusammengefasst.

 

Die Vor- und Nachteile beziehen sich in erster Linie auf IaaS. Zugegebenermaßen erscheint PaaS / SaaS im direkten Vergleich mit On-Premise oft attraktiver als die lokale Lösung.

Beim Vergleich werden nur die Vorteile/Nachteile einer öffentlichen (public) Cloud betrachtet. Für eine Cloud-Lösung in der öffentlichen Verwaltung (Government Cloud) können auch anderen Argumente eine wichtige Rolle spielen.

Die Vorteile der Cloud-Technologie, die Nachteile des On-Premise-Systems

Nach Migration in die Cloud, entfallen die unten folgenden Punkte:

Die Notwendigkeiten sich um die physische IT-Infrastruktur des Rechenzentrums zu kümmern, und zwar:

1. Server-Hardware, z.B. Ersatz der defekten Komponenten
2. Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Die Wartung der Diesel-Generatoren oder beispielsweise der Austausch der Akkus.
3. Netzwerk: Kabeltrassen, Patschfelder, Verkabelung, Switches, Transceiver Module usw.
4. Storage: keine RAIDs, Platten, Aggregatbildungen, keine Diskussion zum Thema iSCSI, FibreChannel oder InfiniBand. Keine Diskussionen bzgl. Umstieges auf All-Flash Arrays.
5. Backup hat eine ganz andere Bedeutung
6. IT-Security: z.B. Firewalls, Intrusion Protection (wird wesentlich reduziert).

Die oben erwähnte Hardware soll nicht nur regelmäßig gewartet (z.B. Firmware Update), sondern auch nach Ablauf des Leasingvertrags bzw. der Garantie (3-5 Jahre) ersetzt werden. Dadurch entfällt auch die Frage, bei welchem Hersteller die Hardware bestellt werden soll.

7. Rechenzentrum Klimatisierung
8. Brandfrühesterkennung und Löschanlagen
9. Physische Absicherung: Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, Einbruchmeldeanlage
10. Erweiterungsmöglichkeiten (das Hinzufügen der neuen Serverrack), und den damit verbundenen Änderungen in Kühlungs- sowie Brandlöschsystemen.

Ebenfalls wichtig zu erwähnen, dass jeder führender Cloud-Anbieter in Bezug auf die Sicherheit, (physische oder IT), gegenüber On-Premise deutlich überlegen ist.


Personal und Kosten

Alle oben genannten Kategorien verfügen über eigene Verwaltungssysteme, die ihrerseits des qualifizierten Dienstpersonals bedürfen. Im Falle des Übergangs zu den neuen Technologien, müssen die Mitarbeiter entsprechend ausgebildet werden. Cloud hilft dabei, die Kosten zu sparen, insbesondere bezüglich der Beschaffung der externen Ressourcen in Projekten, die primär mit dem Ersatz bzw. der Erneuerung der bestehenden Infrastruktur verbunden sind.

Auch aus der Sicht der Besteuerung mangelt es Cloud nicht an Attraktivität. Denn die Investitionsausgaben (CAPEX) für den Kauf der Ausstattung werden in die regelmäßigen Betriebsausgaben (OPEX) transformiert. Dies ist lukrativer.

Und schließlich entfällt der nicht zu unterschätzende Stromkostenpunkt.

Skalierbarkeit, Automatisierung, Innovation

Gerade die Möglichkeit der schnellen, automatisierten Erweiterung bzw. Verkleinerung der Infrastruktur lässt sich als den grundlegenden Vorteil der Cloud-Technologien nennen (Zeiten für Inbetriebnahme / Außerbetriebnahme). Des Weiteren besteht ein zusätzliches Nutzungsszenarium der Cloud, und zwar mit Load Testing, d.h. periodische, dennoch sehr ressourcenaufwändige Berechnungen. Hierbei trägt man lediglich die Kosten für das, was man tatsächlich braucht und nutzt (Pay-As-You-Go).

Der große Provider befindet sich auf ständiger Suche nach Angeboten, die er dem Kunden als Zusatzleistungen bereithalten kann bzw. was zur Kostenersparnis des Providers selbst beiträgt.

Disaster Recovery

Der weitere Vorzug der Cloud-Technologien besteht sowohl in der Sicherstellung der kontinuierlichen Funktionsweise der Infrastruktur als auch in garantierten Störungsbehebungen im Notfall.

Kerngeschäft

Folgender Punkt wird immer aus den Augen verloren: Cloud für die Cloud-Anbieter ist das Kerngeschäft, und zwar mit einem einzigen Ziel – Geld verdienen. Cloud für Kunden – ist immer noch IT (Instrument / Hilfsmittel), die die Hauptgeschäfte unterstützen soll. Die Konzentration auf das Kerngeschäft ist auf Dauer profitabler.

Die Nachteile der Cloud-Technologie, die Vorteile des On-Premise-Systems

In vielen Fällen können die oben aufgezählten Vorteile sich leicht in Nachteile umwandeln. Man fange mit dem Datacenter an. Jedes mehr oder minder ernst zu nehmende Privatunternehmen verfügt über ein eigenes Datacenter. Dies setzt voraus, dass man einen entsprechenden, geschützten Raum mit dem eingerichteten Brandlöschsystem, sowie der ununterbrochenen Stromversorgung und der Kühlung aufweist. In diesem Datacenter stehen genügend Schränke, die wiederum entsprechend mit Servers, Storages, Switches, Backup Libraries usw. ausgestattet sind.

Die ergatterte Serverausstattung ermöglicht die problemlose Durchführung des Upgrades der Systeme, indem man beispielsweise den zusätzlichen Speicher hinzufügt. Die außer Betrieb genommenen Server lassen sich zum Aufbau des Testraums nutzen.

Es ist schwer vorstellbar, dass die aufgezählte Ausstattung gleichzeitig erworben wurde und die identische Garantiefrist nachweist, nach Ablauf welcher der Übergang zu Cloud als ein relativ berechtigter und wohlüberlegter Entschluss betrachtet werden kann.

Im Laufe der letzten Jahre wurden viele Komponenten beträchtlich effektiver, angefangen beim Stromverbrauch der Prozessoren bis hin zu den Netzen mit der Datenübertragungsgeschwindigkeit ab 40 GB (z.B. Mellanox) und mehr oder dem All-Flash-Arrays Storage. Nicht selten ermöglicht der Ersatz der Storage Infrastruktur, das Datacenter erheblich zu entlasten (d.h. Platz zu sparen und die Stromkosten sinken zu lassen) und gleichzeitig seine Effizienz zu erhöhen. In diesem Punkt fällt mir ein Beispiel aus eigener Erfahrung ein, wobei mit Hilfe der All-Flash-Arrays von PureStorage, die 6U einnahmen, ein 19-Zoll großer 42U Schrank losgeworden werden konnte, der voll mit der Produktion von einem führenden Anbieter bestückt war. Wenn man über die gesetzlichen Einschränkungen aufgeklärt ist, erscheint die lokale Lösung a priori als legitim. Was bei Cloud nicht der Fall ist. Doch dieses Problem schneidet in erster Linie die Staatsstrukturen an.

Die Behauptung, dass der Verzicht auf lokale Strukturen mit dem Verlust der Investitionen gleichzusetzen ist, ist berechtigt.

Vertrauen und Zuverlässigkeit

Meiner Ansicht nach, ist das dem Provider zugewandte Vertrauen das wichtigste Kriterium bei der Wertung der Cloud-Technologien.

Dabei sollten dem Kunden die folgenden Aspekte gewährleistet werden:

- die Unantastbarkeit Ihrer Daten,
- die schnelle Wiederherstellung ohne Datenverluste im Notfall,
- die strikte Einhaltung der lokal geltenden Gesetze und Vorschriften,
- die Kompetenz der Mitarbeiter
- 24/7 Support in verständlicher Sprache
- die überragende bzw. mindestens vergleichbare Qualität der zur Verfügung gestellten Leistungen im Vergleich zum Vorgänger.
- der Cloud Provider wird nicht vom anderen US-Provider übernommen, sodass die beide dem Patriot Act unterlegen
- Product Terms (Cloudvertrag) werden nicht zu Ihrem Nachteil angepasst

Das Vorhandensein der unterschiedlichen Zertifikate zur Einhaltung von Sicherheitsstandards kann die Sicherheit selbst nicht garantieren. Sind Sie sicher, dass Ihr Provider in der Lage sein wird, die gesamte Funktionalität (ohne jegliche Einschränkung) Ihrer Infrastruktur zu gewährleisten, falls eines der zwei lokalen Datacenter ausfällt? Wird es möglich sein, die Infrastruktur während der erhöhten geschäftlichen Aktivität zu erweitern? Ich bin mir dessen nicht sicher. Sind Sie es?

Ein Kollege versuchte mir einst nahezulegen, dass die Chance des Verlusts eines der Datacenter genauso gering wäre, wie einem Dinosaurier auf der Straße zu begegnen. Doch wer von den Einwohnern New Yorks hätte am 10.09.2001 geglaubt, dass am Mittag des darauffolgenden Tages eines der Symbole der Stadt nicht länger existieren würde? Ein beträchtliches Datacenter kann durchaus zum Ziel der „unguten“ Menschen werden, da sein Ausfall nicht nur zu seriösen wirtschaftlichen Verlusten führen, sondern auch weitreichende Folgen nach sich ziehen kann. Cloud bedeutet im metaphorischen Sinne einen großen Korb, in den eine Vielzahl der Unternehmen ihre Eier ablegen in Hoffnung, dass dieser nimmer fallen gelassen wird. Jedes Ei versteht sich als Lebensfähigkeit ihres Inhabers, die im Falle des Schalenbruchs riskiert wird.

Soweit ich richtig informiert bin, lässt das veränderte Gesetz in der USA nun einen Schadensersatz in Höhe von 100.000 USD pro Kunde einfordern, wenn der Verlust seiner Daten vom Provider verschuldet ist. In diesem Kontext kommt dem Begriff Diversion (Sabotage) eine neue Bedeutung zu. Immerhin, unabhängig davon wie sorgfältig die Auswahl des Personals ist, sind es letztendlich bloß Menschen, die nicht ideal sind und solchen Lastern wie Gier verfallen können.

Disaster Recovery der lokalen Infrastruktur

Zu einem der gewichtigen Argumente neben der Elastizität und Skalierbarkeit, die für die Cloud-Technologien sprechen, zählt die Möglichkeit der Wiederherstellung der Daten im erstfachten Notfall. Mit Hilfe der Cloud-Technologien lässt sich relativ problemlos die Kopie der Infrastruktur des Kunden erstellen, die viele Hundert Kilometer vom Hauptdatenzentrum entfernt liegt. Besteht bei Ihnen aktuell eine vergleichbare Backup- und Recovery-Lösungen? Ist Georedundanz für Sie immer ein Begriff gewesen? Brauchen Sie diese wirklich, wenn Sie über Jahre hinweg ohne sie zurechtgekommen waren?

Internetverbindung

Eine der Schlüsselvoraussetzungen für die erfolgreiche Marktdurchdringung der Cloud-Technologien besteht im Vorhandensein einer schnellen und zuverlässigen Internetverbindung mit der unablässigen Bedingung der Geschwindigkeitserhöhung und der Vergrößerung der Bandbreite. Ihre Internetverbindung ist immer Ihr Single-Point-of-Failure. Bedauerlicherweise wird dieser Faktor von vielen unterschätzt, was oft zu Misserfolgen in der Realisierung der Projekte führt.

Kosten

Zugegebenermaßen zeichnen sich die virtuellen Maschinen in Cloud nicht durch ihre niedrigen Kosten aus. Wenn man den zusätzlichen Vorteil der Cloud-Technologien (gemeint ist Disaster Recovery) nicht in Betracht zieht, so belaufen sich die Kosten einer virtuellen Maschine in Cloud wesentlich höher als vergleichbare Leistungen im lokalen Datacenter. Ein weiterer wichtiger Punkt, sind die unterschiedlichen SLAs (Service Level Agreement). Eine hohe Ausfallsicherheit von 99,99 - 99,999 mit niedrigen Antwortzeiten treibt die Kosten in der Höhe.

it is your choice

On-Premise bedeutet die Entscheidungsfreiheit. Man stelle sich vor, Ihr Anzug wurde an Ihren Maßen geschneidert und sitzt perfekt. Cloud hingegen unternimmt lediglich einen Versuch, einen Ihnen passenden Anzug aus einer Vielzahl der fertigen Anzüge, auch wenn von hoher Qualität, zu finden. Somit ist der Cloud-Provider verpflichtet, allen seinen Kunden vollkommen identische Dienstleistungen ohne Sondervorteile anzubieten.

Wenn der Übergang zu Cloud sich als einen komplizierten Prozess erweist, der tiefer und skrupulöser Planung bedarf, so setzt die Rückführung der Infrastruktur von Cloud in On-Premise einen noch komplizierteren und unglaublich kostenaufwändigen Vorgang voraus. Der komplette Übergang zu Cloud heißt ein Einwegticket, da die interne Kompetenzen für immer verloren gehen.

Übrigens ist Ihnen der Wandel der Marketingrhetorik der führenden Dienstleistungen der Cloud-Technologien aufgefallen? Die Idee bzw. vielmehr der Wunsch nach Cloud First wurde allmählich in Hybrid Cloud First transformiert.

Fazit

In diesem Artikel habe ich versucht, unparteiisch möglichst viele Pro- & Contra-Argumente zu sammeln, in der Hoffnung, dass diese Ihnen helfen würden, eine strategisch korrekte Entscheidung zu treffen. Möglicherweise erscheint einigen Lesern meine Pro-Contra-Auflistung als eine „Schwarz-Weiß-Welt“. Es ist mir voll bewusst, dass ein Mix aus OnPremise und Cloud einen Mehrwert bietet, aber das wäre ein anderer Artikel. Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldungen und hoffe, dass diese Informationen hilfreich waren.

 

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